Lauter fröhliche Gesichter Wie Puppenspieler Gernot Hildebrand unsere Bewohnerinnen und Bewohner verzauberte

An einem Mittwoch im April passierten in unserem Haus ganz viele besondere Momente in kurzer Zeit. Und das alles nur, weil einmal mehr der Puppenspieler Gernot Hildebrand mit seinem „Theater aus der Truhe“ bei uns gastierte. Den ganzen Tag war er mit seinem mobilen Marionettentheater auf den Etagen unterwegs und verzauberte unsere Bewohnerinnen und Bewohner. Hier ein paar Momentaufnahmen von den Begegnungen zwischen Mensch und Marionette:

Den Anfang machte Waltraud Deutschmann, die eine Sondervorstellung am Bett bekam und die den Generaldirektor und sein Ensemble schon beim Betreten ihres Zimmers erkannte: „Sie waren doch letztes Jahr schon mal bei mir!“ Beim Märchen „Der halbe Lohn“ schmunzelte sie amüsiert, wie schlau der schelmische Bauer dafür sorgte, dass dem General des Zaren für dessen Gier heimgezahlt wurde. Statt mit den Händen applaudierte die Seniorin nach der Aufführung mit Worten: „Das war richtig schön!“
Johanna Bielefeldt, die eine Vorstellung von „Rumpelstilzchen“ im Speiseraum ihres Wohnbereiches erleben durfte, befand beim anschließenden Rundgang des Puppenspielers mit der Marionette des Königs, dass der hübsche Darsteller für sie als 90jährige dann doch ein bisschen zu jung sei. Diese Bemerkung brachte auch die um sie herum sitzenden Zuschauer zum Schmunzeln.
Christa Sambale, die an diesem Tag Kultur und Frühstück miteinander verbinden konnte, musste nach der Vorstellung doch sehr kichern: Als der „König“ sich mit klappernden Gipsstiefeln auf dem Tisch ihrem Frühstücksteller näherte, rief ich ihr zu: „Frau Sambale, passen Sie auf, dass der König Ihnen nicht ihr Mettbrot klaut!“ Vor lauter Lachen bebte die ganze Frau mitsamt Rollstuhl, dass es eine Freude war, sie zu beobachten.
Erna Watzke, die sonst um keinen flotten Spruch verlegen ist, war vom Spiel der Marionetten so gebannt, dass sie mit offenem Mund staunend in den Reihen der Zuschauer saß und keinen Mucks von sich gab. Ab und zu huschte ein strahlendes Lächeln über ihr Gesicht. Wer weiß, welch schöne Erinnerungen das altbekannte Märchen von der Gold spinnenden Müllerstochter in ihr weckte? Leider blieb uns Betreuungskräften im Eifer des „theatralischen Gefechts“ keine Gelegenheit, Frau Watzke danach zu fragen.
Im Anschluss an die Vorstellung im Speiseraum genoss Gertrud Sperling den besonderen Luxus einer Sonderaufführung nur für sie. Nach einem langen Aufenthalt im Krankenhaus und in der Reha fühlte sie sich noch nicht wieder fit genug, ihr Zimmer zu verlassen, um im Speiseraum das Theater zu erleben. Dass es dann extra für sie in ihren vier Wänden spielte, überwältigte die Seniorin fast. Hingerissen beobachtete sie das Stück und lauschte der Musik, die es quasi als Vor- und Nachspeise zum künstlerischen Menü noch dazu gab. Als der Generaldirektor Gernot Hildebrand sich verabschiedet hatte, sagte sie glücklich lächelnd zu mir: „Dieses besondere Erlebnis gibt mir viel neue Kraft!“
Gundula Unversucht, die zugunsten des Puppentheaters ausnahmsweise sogar ihre heißgeliebte Hundetherapie ausfallen ließ, lobte mit leuchtenden Augen die kleinen Schauspieler. „Das sind wunderschöne Puppen.“ Und ihre Zwillingsschwester Ute fügte an: „Es hat sich richtig gelohnt, dabei zu sein.“
Auch Thorsten Bromba, Mitbewohner und Freund unserer Zwillinge, schaute wie gefesselt der Aufführung von „Der Herr und sein Knecht“ im Gruppenraum zu. Er wurde fast ein bisschen rot, als die schöne „Müllerstochter“ in ihrem roten Kleid nach der Vorstellung zu ihm kam, und nicht der Bauer. Von so einer blonden Schönheit besucht zu werden schmeichelte unserem Thorsten doch sehr.
Als Gernot Hildebrand ihr weißmachen wollte: „Das Bäuerlein ist so stolz auf seine schicken Stiefel, dass ich sie täglich dreimal putzen muss!“, blies sie nur die Backen auf und lachten den Puppenspieler fröhlich an. Das wollte sie ihm dann wohl doch nicht abnehmen!
Ingrid Radzio und Hannelore Thormann stellten sich nicht nur an diesem Tag als sehr textsicher heraus: Welches Lied der Künstler auf Mundharmonika, Flöte oder Gitarre auch anstimmte – sie kannten alle Texte und sangen alles mit. Wanderlieder, Frühlingslieder, Kirchenlieder – die beiden alten Damen kannten sie einfach alle!
Unsere doch eher stille und sehr zurückhaltende Elisabeth Sommer beobachtete die Vorstellung im Speiseraum ihrer Etage zunächst mit gefalteten Händen und sehr wachen Augen. Am Ende war sie offenbar so begeistert, dass sie strahlend zum Puppenspieler aufschaute und ihm applaudierte, auch wenn es ihr sichtlich schwer fiel.
Gisela Vorwerk, die bei der Aufführung die Gesellschaft ihres Ehemannes genießen durfte, kam beim Puppenspiel aus dem Lächeln gar nicht mehr raus. Und auch ihr Mann wirkte sehr angetan: Bewusst oder unbewusst „dirigierte“ Karl-Heinz Vorwerk stetig lächelnd „Die Moldau“ von Smetana, die beim „Fischer und seiner Frau“ im Hintergrund lief, mit einer Hand mit, während er dem Geschehen auf der kleinen Bühne interessiert folgte.
Für viel amüsiertes Gelächter beim Publikum sorgte Helga Schuchardt vom Wohnbereich Blütenzauber: Als sie sah, dass der kleine „Fischer“ charmant die Hand ihrer Nachbarin küsste, hielt sie ihm direkt ihre Rechte hin. Nachdem sie den ersten Handkuss erhalten hatte, forderte sie auch gleich noch den zweiten Kuss mit ein, indem sie auch ihre linke Hand hinstreckte. Alle Zuschauer, die diese Szene beobachteten, konnten da wirklich nur noch lachen und sie für ihren Mut bewundern.
Ursula Grewe, die auf ihrer Etage aufgrund eines unglücklichen Platzes leider nicht viel von der Vorstellung mitbekommen hatte, nahm gerne die Einladung zu einem weiteren Auftritt an: Im Speiseraum vom Erdgeschoss saß sie direkt vor der Bühne und verfolgte mit einem ansteckenden Strahlen auf dem Gesicht das Geschehen. Hinterher sagte sie glücklich: „Danke, dass ich heute noch einmal dabei sein durfte. Das war wunderschön!“
Auch Luise Wischow hatte leider nicht die Kraft, zum Theater in den Speiseraum zu kommen und freute sich sehr, dass dieses tatsächlich einfach zu ihr ans Bett kam. Sehr interessiert und amüsiert verfolgte sie das Stück und meinte hinterher wohlwollend: „Da steckt viel Liebe und Arbeit drin, das sieht man.“ Nach einem angeregten Gespräch mit Gernot Hildebrand über den Ursprung des Theaters als Spielzeugtruhe wünschte die Seniorin dem Theater wiederholt viel Erfolg, worüber der Generaldirektor sich auch sichtlich freute. „Erfolg kann ich gut gebrauchen. Es wäre schön, wenn ich meinen Traum auch weiterhin leben kann.“

Nach einem langen Tag voller fröhlicher Gesichter, schöner Eindrücke und besonderer Momente verabschiedete sich Gernot Hildebrand von uns allen – ganz bestimmt bis nächstes Jahr!

(Ein Text von Solveig Löffler)

 

Puppentheater

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